Hitlers Kinder

Hitlers Kinder

Erhältlich bei iTunes, Prime Video
Opferung: Der Krieg ging in sein sechstes Jahr. Das Deutsche Reich lag in Agonie, doch für Hitler gab es nur den totalen Sieg oder die totale Niederlage. Von Herbst 1944 an stieg die Todesrate in der Wehrmacht auf täglich 5000 Mann. Mit den Kindersoldaten der HJ mobilisierte der Diktator die allerletzten Reserven. Das Regime konnte auf die Opferbereitschaft setzen, zu der die Hitlerjugend erzogen worden war. "Für Führer, Volk und Vaterland zu sterben, war eine Ehre und eine Pflicht, so hatte man es uns beigebracht" - Hunderte von Zeitzeugen nennen dies als Grund, warum sie widerspruchslos in einen sinnlosen Kampf gezogen sind. Oft meldeten sich HJ-Gruppen geschlossen zum Kriegsdienst. Wer sich weigerte, galt als "Feigling". In der Tat war die Begeisterung bei allzu vielen Halbwüchsigen ungebrochen. Manchen war gar davor bange, der Krieg könne ohne ihren Einsatz zuende gehen. So ging die Saat der Indoktrination von Kindesbeinen an schließlich auf. Wer nicht zum Volkssturm ging, dem "letzten Aufgebot" der Sechzehn- bis Sechzigjährigen, konnte sich direkt von Wehrmacht oder Waffen-SS rekrutieren lassen. Dort kamen zuletzt auch Fünfzehnjährige zum Einsatz. In den Wirren der letzten Kriegswochen kämpften mancherorts gar zwölfjährige Hitlerjungen ohne ausdrücklichen militärischen Befehl - in ihrer Verblendung ließen sich viele freiwillig "verheizen". Die Lebenserwartung der jungen Rekruten im letzten Kriegsjahr betrug einen Monat. Die Faszination von Heldentum und Opferung für "das Vaterland" war ihnen eingebläut worden. Doch "was war das für ein Vaterland?" fragt sich der damals 18jährige Reinhard Appel (später ZDF-Chefredakteur). "Das ist uns ja später erst bewusst geworden, dass es ein Verbrecherregime war, für das man sich da opferte". Es gab aber auch Zwang. Manche Kinder schickte die Feldpolizei mit vorgehaltener Waffe oder unter Androhung der Todesstrafe in die Schlacht. Die ZDF-Dokumentation zeigt, wie junge Menschen zu Opfern, aber auch Tätern wurden. In eindringlichen Aussagen berichten Überlebende vom sinnlosen Opfergang der Jugend am Ende eines verbrecherischen Krieges. Teilnehmer an der Ardennenschlacht schildern, wie an Weihnachten 1944 ihre Einheit völlig aufgerieben wurde, während die Propaganda den Endsieg verkündete. Ehemalige Hitlerjungen aus Königsberg berichten, wie man ihnen bei nicht jugendfreien Filmen den Zutritt zum Kino verwehrte, aber keineswegs den Gang zum nächsten Schlachtfeld, wo sie in feindliches MG-Feuer geschickt wurden. Zeugen des Endkampfes von Breslau schildern, wie fanatisierte Hitler-Jungen versuchten, die Kapitulation immer wieder hinauszuzögern. In beiden Fällen sind bislang ungezeigte Fundstücke aus Filmarchiven zu sehen. Gregor Dorfmeister, Autor des von Bernhard Wicki verfilmten Romanes "Die Brücke", berichtet, was an der historischen Brücke wirklich vorgefallen ist. Tausende Kindersoldaten starben im Endkampf um Berlin, in die Schlacht gehetzt von Hitlers Trommlern und von einem Reichsjugendführer, der sich auch in seinem letzten Interview vor der Kamera unbelehrbar zeigt: "Für uns gab es nur diesen Blick jetzt nach vorne und ehrenvoll bis zum Ende zu kämpfen". "Blanker Hohn", sagen die Betroffenen, "wir sollten sterben, damit die länger leben konnten". Der Film zeigt aber auch, wie sich Hitlerjungen an Verbrechen gegen die Menschlichkeit beteiligten, wie sie dafür sorgten, dass Kriegsmüde noch kurz vor der Kapitulation hingerichtet wurden. Überlebende legen Zeugnis ab.
Hauptdarsteller Christian Brückner