Der Fluch des Diamanten
S4, F2: Der Koh-I-Nor-Edelstein, einer der größten Diamanten der Welt, funkelt in der Hand von Maximilian Schell. Vor Urzeiten, an die sich niemand mehr erinnert, soll dieses unvergleichliche Juwel irgendwo bei Golkonda im Herzen Indiens aus der Erde gegraben worden sein. Dieser Diamant wurde zum Symbol für die Herrschaft derer, die ihn über Jahrhunderte im Besitz hatten: die indischen Maharadschas. Maharadscha heißt "Großer König". Und in ihren besten Zeiten beherrschten an die sechshundert Große Könige gut zwei Drittel des indischen Subkontinents. Ihr Regiment war wie das Glitzern des Diamanten: in allen Farben schillernd, prächtig, einzigartig und kostbar - aber letztlich doch nur dekorativ. Denn im Spiel, das die Kolonialmächte mit Indien betrieben, waren die Maharadschas nichts weiter als willenlose Marionetten - vor allem der englischen Handelskompanien. Ihre Märchenwelt jedoch blieb über Jahrhunderte unangetastet und stellte alles in den Schatten, was Herrscherfantasien je erträumt haben. Noch heute beschwören Bollywood-Filme diese luxuriösen Exzesse - gemacht aus Gold, Edelsteinen, perlengeschmückten Haremsfrauen und prachtvollen Prozessionen mit Hunderten von Elefanten. In faszinierenden Reenactments und bislang nicht gezeigten Filmaufnahmen aus den Privatarchiven der Maharadschas gewinnen die Zuschauer Einblick in eine exotische Welt, die verschwenderischen Luxus zum Herrschaftsprinzip erklärte und damit über Hunderte von Jahren überlebte. Aber kann üppiger Glanz allein ein ganzes Volk über Jahrhunderte betören? Kann man die politische Herrschaft tatsächlich durch atemberaubende Entfaltung von Luxus und Pracht sichern? Vermag eine glänzende Fassade das Bedürfnis der Menschen nach nationaler Identität zu stillen? Die Engländer dachten es, als sie 1615 damit begannen, die Reichtümer Indiens auszubeuten.
