Folge 13/2012
Unfallakte Coesfeld: Warum nur? Ein Meer aus roten Grablichtern säumt die Unfallstelle an der B525 bei Coesfeld im Münsterland, wo Anfang Dezember ein Opel Astra gegen einen Baum geprallt ist. Während die drei jungen Insassen im Alter zwischen 19 und 21 Jahren aus Nottuln sofort tot waren, sind viele Fragen geblieben. Von einem Tuningunfall war die Rede - und von viel zu hoher Geschwindigkeit, weil der Pkw durch die seitliche Kollision mit dem Baum in zwei Teile gerissen wurde. 'auto mobil' analysiert den schweren Verkehrsunfall und stellt den von Polizei und Sachverständigen ermittelten Unfallverlauf mit Hilfe einer aufwendigen 3-D-Animation dar. Für die Einsatzkräfte gerät dieser Unfall in der Vorweihnachtszeit zur extremen Belastungsprobe: "Man will helfen und kann nichts mehr machen. Das ist einfach grausam und geht jedem Helfer durch Mark und Bein", schildert Richard Schulze-Holthausen von der Coesfelder Feuerwehr. Bereits an der Unfallstelle sprechen die Aussagen von Augenzeugen dafür, dass viel zu hohes Tempo im Spiel gewesen sein muss. Axel Hofmann von der Polizei in Coesfeld: "Unmittelbar vor dem Unfall gab es noch ein Überholmanöver. Und aus Sicht der Zeugen, die da überholt wurden, ist der Fahrer des Opel Astra mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit unterwegs gewesen. Die sprachen von Raserei!" Die Unfallstelle erstreckt sich über mehrere hundert Meter und muss ausgeleuchtet werden. Einige Helfer werden traumatisiert, denn die drei Leichen aus dem zerrissenen Auto können erst nach vielen Stunden geborgen werden. "In vielen Gesichtern stand die Fassungslosigkeit. Einige haben sich gefragt: Was mach ich hier? Warum mach ich das? Einige haben gesagt: Ich kann's nicht mehr, ich mach's nicht mehr", so Feuerwehrchef Richard Schulze-Holthausen. Zum Verhängnis der drei Freunde, die nicht alkoholisiert waren, geriet der Überholvorgang. Denn beim Wiedereinscheren kommt der Astra zunächst nach rechts von der Fahrbahn ab. "Der Fahrer hat dann offensichtlich durch Gegenlenken versucht, wieder auf die Fahrbahn zurückzukommen. Und dabei dann vermutlich aufgrund der hohen Geschwindigkeit das Fahrzeug regelrecht verrissen", erläutert Axel Hofmann von der Kreispolizeibehörde. Im Auftrag der Staatsanwaltschaft in Münster wird das Wrack des Opel Astra sichergestellt. Dabei finden Unfallanalytiker der Dekra heraus, dass das Auto getunt ist. Wenige Tage vor dem Unfall hat der Fahrer den ursprünglichen 136 PS-Motor ausgebaut und eine 190-PS-Turbo-Maschine eingebaut. Unfallanalytiker Dipl.-Ing. Joachim Früh von der Dekra in Münster glaubt, dass die hohe PS-Leistung den jungen Fahrer überfordert und vielleicht auch zum Rasen verleitet hat. Fatal ist in diesem Fall, dass die neue Maschine nicht in die Papiere eingetragen ist und sich jetzt auch noch die Frage nach dem Versicherungsschutz stellt. Freunde schildern den jungen Fahrer als ausgesprochen autoverliebt. Am Tag nach dem Unfall soll der Kfz-Mechatroniker sogar noch vorgehabt haben, sich weitere Teile für sein getuntes Auto auf der Essener Motorshow zu kaufen. Der Tod der drei engen Freunde löst Trauer und tiefe Verzweiflung aus. Doch statt gegenseitiger Schuldzuweisungen schaffen es die Eltern, gemeinsam mit dem Unfalltod ihrer Kinder umzugehen. "Es gab eine gemeinsame Traueranzeige der Familien. Und die jungen Männer wurden gemeinsam beerdigt", so Klaus Aufenanger vom Opferschutz der Coesfelder Polizei.
