Folge 48/2012
Unfallakte Scheeßel: Unfallakte analysiert einen grauenhaften Unfall auf der B 216 bei Scheeßel. Es klingt paradox: Während Beamte der Polizei im niedersächsischen Rotenburg am 12. Mai dieses Jahres aufgrund der deutlichen Zunahme von Geschwindigkeitsunfällen eine Tempo-Kontrolle durchführten, mussten sie ihre Aktion ausgerechnet wegen eines Raserunfalls abbrechen. Bei Scheeßel war ein Mercedes CLK mit hoher Geschwindigkeit gegen einen Baum geprallt, das Fahrzeug stand lichterloh in Flammen. 'Es war sofort klar: Diesen Unfall kann niemand überlebt haben. Wir wussten nicht einmal, wie viele Opfer es gegeben hatte und woher die Insassen kamen', beschreibt Daniel Schröder von der Polizei in Rotenburg. In der Beitragsreihe 'Die Unfallakte' bringt das VOX Automagazin 'auto mobil' Klarheit über die Details des grauenvollen Verkehrsunfalls auf der B 216. Zwei Leichen wurden in dem Mercedes entdeckt. Die Insassen waren bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Von Anfang an stand fest, dass das Auto extrem zu schnell unterwegs gewesen sein muss und dann aus der leichten Rechtskurve getragen wurde. Hinweise auf ein Ausweichmanöver gab es nicht. Bei den Toten handelte es sich um zwei junge Männer im Alter von 27 und 25 Jahren. Beide kamen aus dem Nachbarort. Die Polizei in Rotenburg forderte zur Überbringung der Todesnachrichten zwei Notfallseelsorger an. Aber auch die vielen Helfer brauchten Bestand. Pastor Günter Brunkhorst erlebte schwere Stunden, denn gemeinsam mit der Polizei musste er den Angehörigen beibringen, dass sie nicht einmal mehr Abschied nehmen können. Brunkhorst: 'Das ist eine extreme Belastung und bedeutet einen unendlichen Schmerz. Denn oft können Angehörige den Tod nicht begreifen, weil sie nach solchen Unfällen nichts mehr haben, das sie identifizieren können'. Obwohl zunächst alles dafür sprach, dass der 27-jährige Halter den Mercedes auch gefahren hat, ließ die Polizei in Rotenburg zur einwandfreien Feststellung der Identitäten DNA-Überprüfungen durchführen. Dabei stellte sich heraus, dass der 25-Jährige das Auto gelenkt hatte. Polizeisprecher Detlev Kaldinski: 'Der junge Mann verfügte über keine gültige Fahrerlaubnis. Er hatte erst seit kurzer Zeit einen Führerschein, war ihn dann aber wegen einer Fahrt unter Drogen wieder losgeworden'. Aufgrund der extremen Zerstörungen an dem Mercedes CLK geht die Rotenburger Polizei davon aus, dass das Auto mit einer Geschwindigkeit zwischen 150 und 200 km/h verunglückte und der technische Zustand des 200-PS-Coupes zu wünschen übrig ließ. Nach Abschluss der Ermittlungen glaubt die Polizei, dass der junge Fahrer überhaupt keine Erfahrung mit einem Auto dieser PS-Klasse hatte und deshalb völlig überfordert war. Unklar bleibt, ob der Mercedes-Besitzer wusste, dass sein Freund keinen Führerschein mehr besaß. Der Unfall von Scheeßel zeigt klare Parallelen zu anderen Hochgeschwindigkeitsunfällen im Landkreis Rotenburg. Immer wieder saßen Fahranfänger am Lenkrad, die mit leistungsstarken Autos unterwegs waren. Aus diesem Grund hat die Polizei ihre Geschwindigkeitskontrollen noch einmal intensiviert. Eine weit verbreitete Kritik an den Tempomessungen lässt Polizeisprecher Detlev Kaldinski übrigens nicht gelten. In dem Bericht bei 'auto mobil' sagt er: 'Bei uns geht es nur um Bußgelder, vielleicht um Punkte oder vielleicht um ein Fahrverbot. Die schlimmste Strafe, die man bei einem Unfall auf der Straße aber bekommen kann, ist die Todesstrafe. Man darf nie vergessen: Der Tod droht hier! Und genau das wollen wir mit unseren Kontrollen verhindern.'
