Der Wissenschaftler
Nachdem er sich geweigert hat zu fliegen, verliert ein Klimaforscher seinen Job: unter der Schlagzeile der New York Times ist ein Selfie eines 50-jährigen Mannes an Bord einer Piroge zu sehen, der auf dem tropischen Meer unterwegs ist. Seine intellektuelle Brille steht im Kontrast zu seinem Indiana-Jones-Hut. Als die Nachricht am 13. Oktober 2023 von den Seiten des Guardian und der New York Times in die Welt hinausposaunt wird, ist Prof. Gianluca Grimalda, Umweltforscher an der Universität Kiel, Deutschland, bereits seit einem Jahr an den Dreharbeiten zu „The Researcher“ beteiligt. Sechs Monate zuvor war Grimalda 40 Tage lang gereist, um Papua-Neuguinea, den Ort seiner Forschung, zu erreichen. Er filmte die 23.000 Kilometer, die er zurücklegte, und die Dutzende von Zügen, Bussen, Lastwagen, Taxis, Fähren und Frachtschiffen, die zehnmal weniger CO2 ausstießen als eine einzige, bequeme Flugreise, wodurch er 3,5 Tonnen CO2 einsparte. Und als die Universität ihm nach sechsmonatigen Forschungsarbeiten in den entlegensten Dörfern Neuguineas nahelegt, dass er innerhalb von fünf Tagen zu seiner Professur zurückkehren muss (d. h., dass er in ein Flugzeug steigen muss), lehnt er ab und wird zum ersten Arbeitnehmer, der wegen Flugverweigerung entlassen wird. Als Umweltaktivist und Mitglied der Scientist Rebellion gab Grimalda alles auf - eine beneidenswerte Karriere und ein gutes Gehalt, die Beziehung zu seiner Freundin, die Zuneigung seiner Familie und einen Job, den er über alles liebte -, um auf den verzweifelten Zustand des Planeten aufmerksam zu machen, um ein Beispiel zu geben und vielleicht einen Ausweg zu zeigen. In diesem Film, der von Reisen, Abenteuern, individuellen moralischen Prinzipien und universellen Krisen handelt, steckt zweifellos etwas Verrücktes. Es bleibt abzuwarten, ob der Wahnsinn in der Handlung von „The Researcher“ oder im alltäglichen Verhalten seiner Zuschauer liegt.
