Julie bleibt still
Julie ist jung, talentiert und gilt als eines der größten Nachwuchstalente des belgischen Tennisverbands. Mit Ehrgeiz und Disziplin arbeitet sie an einer Karriere, die ihr ganze Zukunft bestimmen könnte. Im Mittelpunkt steht ihr Trainer Jérémy, der für die Spielerinnen mehr ist als nur ein Coach: Er prägt ihren Alltag, ihre Chancen, ihr Selbstverständnis. Doch die gewohnte Ordnung zerbricht, als Jérémy plötzlich suspendiert wird. Offiziell heißt es, seine Methoden seien fragwürdig. Eine Untersuchung wird eingeleitet, die Mädchen der Tennisschule sollen aussagen. Manche äußern sich offen, andere zögerlich – nur Julie schweigt. Dieses Schweigen stellt alles auf die Probe. Für ihr Umfeld wird es zur Zumutung, für Julie zur inneren Herausforderung. Mit jedem Tag wächst der Druck, eine Position einzunehmen. Doch wie soll sie sich verhalten? Soll sie etwas sagen, obwohl sie keine Worte findet? Soll sie loyal bleiben, obwohl Zweifel da sind? Oder soll sie weiter still bleiben, auch wenn alle erwarten, dass sie endlich spricht? „Julie bleibt still“ erzählt eindringlich von diesem Ringen. Leonardo Van Dijls Debüt verzichtet auf laute Gesten und konzentriert sich auf die leisen, aber umso spürbareren Erschütterungen in Julies Leben. Mit präziser Beobachtung nähert sich der Film einer Jugendlichen, die plötzlich mit einer Welt konfrontiert ist, in der Regeln, Hierarchien und Erwartungen klar verteilt sind – und in der sie sich selbst neu verorten muss. Statt schnelle Antworten zu geben, eröffnet der Film Fragen: Wie findet man seine eigene Stimme, wenn andere sie einem absprechen? Was bedeutet es, still zu bleiben – Schwäche, Widerstand oder beides? Und wie verändert sich eine junge Frau, wenn sie gezwungen ist, den vertrauten Weg zu verlassen? „Julie bleibt still“ feierte 2024 Weltpremiere bei der Semaine de la Critique in Cannes und wurde dort mit zwei Preisen ausgezeichnet. Kritiker wie Publikum lobten die sensible Inszenierung, die dichte Atmosphäre und das einfühlsame Spiel der Hauptdarstellerin. Es ist ein Film über Schweigen und Zweifel, über Abhängigkeit und den langsamen Beginn einer Selbstfindung. Ein Drama, das nicht auf spektakuläre Wendungen setzt, sondern auf die stille Kraft einer Geschichte, die lange nachhallt.